Die Hubers – Marketingtechnische Betrachtung des Wahlwerbespots der FPÖ

Die Hubers – Marketingtechnische Betrachtung des Wahlwerbespots der FPÖ

Von Matthias am 4. Oktober 2017

Was ich über „die Hubers“ von der FPÖ, ihrem Wahlewerbespot, zu sagen habe?! Ich muss leider zugeben, ich bin schockiert und begeistert von dem Spot bzw. der strategischen Überlegung und Umsetzung dahinter. (Dies entspricht keiner Würdigung der Partei selbst. Aber egal!) Ich möchte den Spot viel lieber aus einer anderen Sicht heraus betrachten. Aus der, meines Fachgebiets. Ich habe nun 5 Jahre Marketing & Sales studiert, arbeite seit 3 Jahren im Online Marketing und führe seit blad 3 Jahren diesen Blog. Deshalb erlaube ich mir, meine Meinung dazu kund zu tun. Hatte ich hier am Blog eigentlich nicht vor. Dafür kannst du mir ja gerne auch deine Meinung in den Kommentaren hinterlassen.

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Was sagt der Wahlwerbespot „die Hubers“ aus?

Schauen wir uns zunächst einmal die Bildsprache an. Es wird mit der Heimat und der Heimatliebe gearbeitet. Es gibt ein altes ländliches Bauernhaus. Eine wahre Idylle. Vergleichbar mit den Postkarten aus Hallstadt oder Zell am See. Das purste Österreich in seiner reinsten Form. Sozusagen. Widmen wir uns den Charakteren die alle samt ausgesprochen gut und gezielt ausgewählt wurden. Eine Frau und ein Mann. Typisch „christlich abendländisch“ eben. Im Haus befinden sich auch eher Personengruppen, denen die FPÖ mit ihren Aktivitäten (noch) nicht auf die Zehen getreten ist. „Das Volk“ also. Zumindest fielen mir keinerlei „Ausreißer“ auf, euch?

Deshalb glaube ich folgendes: Sie symbolisiert, trotz des rosa Bademantels, die kritische, vernünftige und richtige Stimme im Staatsgebiet bzw. dem Haus. Die, die ohnehin schon von Anfang an wusste, was zu tun ist. Stichwort: Ich hab dir gsagt du sollst zusperren! Dem Gegenüber steht ein offensichtlich gutgläuber und naiver Mann im blauen Bademantel der sich um die Dinge des Hauses kümmert. Bis hierhin ist der Spot gut durchdacht aber definitiv noch keine Meisterleistung.

In den ersten beiden Folgen dreht sich eigentlich alles darum, dass die Dame relevante und kritische Einwände vorbingt. Ganz ehrlich: Wenn Nachts 50 Leute in meine Wohnung eindringen um in einem rosa Bademantel Schach zu spielen, dann würde ich meinen Mitbewohnern auch Feuer unterm Hintern machen. Es geht also in erster Linie um einen sehr gelungenen Vergleich. Wenn Österreich ein Haus wäre. Dabei spielt man dann immer weiter mit der Katastrophe, denn kein Hausbesitzter, -besetzter oder -bewohner kann wollen, dass dem Haus der Strom abgedreht wird. Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg. Der schlimmste Affront kommt dann vom blauen Bademantelträger, denn er hat immerhin „Alles unter Kontrolle“. Er hat quasi auch schon eine Einkaufsliste.

Nachdem die zweite Folge eigentlich nur eine Wiederholung der ersten Folge ist, kommt die Katastrophe schließlich am Ende von Folge 3. Dabei suggeriert der Spot, dass nur durch die Anwesenheit der Menschen im Haus alles den Bach runtergeht. Der Strom wurde abgestellt, die medizinische Versorgung bricht zusammen, die ersten vermehren sich schon und schlussendlich gehört das Haus nicht mehr unserem christlichen Abendland Pärchen. Welche Tragödie! Gott sei Dank ist Österreich (k)ein Bauernhaus.

Unterm Strich bin ich zutiefst geschockt weil ich sehr erstaunt bin!

Auf humorvolle, einfache und gut verständliche Art und Weise wird die Botschaft der werbenden Partei unter die Leute gebracht. Ein klarer und absolut wahrer Vergleich, denn ein Staat funktioniert ja schließlich nach den selben wirtschaftlichen und sozialen Mechanismen wie eine zweiköpfige Familie mit Haus. Hut ab! In diesem Fall hat man es geschafft, einen genialen, wenn auch „etwas perfiden“ Spot zu produzieren der vermutlich auch ziemlich gut angekommen sein wird. Zitat aus meinem Umfeld: „Ein Funken Wahrheit steckt schon drinnen“! Auch wenn das Video mehr Daumen nach unten als nach oben und sehr viele kritische Kommentare geerntet hat, war es vermutlich ein voller Erfolg für die Verantwortlichen. Denn das Ziel war niemals eine hohe Interaktion beim Video zu haben, sondern schlicht und ergreifend eine enorme Reichweite zu generieren. Das ist der Partei mit insgesamt 4,5 Millionen Videoviews eindeutig gelungen. Mit knirschenden Zähnen: Gratuliere dazu!

Alles in allem macht der Spot aus marketingtechnsicher Sicht erschreckend viel Sinn. Wie aus dem Lehrbuch könnte man sagen. Ob er das Ziel ,die Regierungsmacht, möglich macht, dass sehen wir am 15. Oktober. Übrigens, auch wenn`s aus Deutschland ist: GEHT WÄHLEN!!!

Meine Antwort auf den Wahlwerbespot

Egal wie es ausgeht! Wenn wir alle wählen gehen, dann ist es wirklich fair! Freut mich übrigens, dass du den Artikel bis zum Ende gelesen hast. Wenn du mehr von mir und meiner Welt lesen und hören möchtest dann folge mir doch auch auf Instagram, Facebook und Youtube.

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Matthias

Ich bin 25 Jahre alt, stamme aus der belebten Universitätsstadt Leoben in der Steiermark und lebe derzeit in Wien, wo ich für eine große digitale Marketing-Agentur tätig bin. Habe mit 10 Jahren zu Snowboarden begonnen und seither haben mich alle Arten von Boards in ihren Bann gezogen. Derzeit stehe ich meist auf meinem Longboard, das ich liebevoll Kiwi nenne und meinem Wakeboard. Eine andere meiner Leidenschaften ist das Wind – und Kitesurfen aber auch das Wellenreiten, welches sich in Österreich leider nur eingeschränkt ausüben lässt! Ich beherrsche nicht alles perfekt, liebe aber das Gefühl auf einem Board zu stehen und bin grundsätzlich eher Freerider als Freestyler.

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16 Kommentare zu “Die Hubers – Marketingtechnische Betrachtung des Wahlwerbespots der FPÖ”

  1. Ich sagt:

    Eine wesentliche Schwäche des Videso scheint dir aber entgangen zu sein: Die „Gäste“ im Haus schauen alle sehr mehrheitsösterreichisch aus, und nicht wie die – von den Machern gewollte – angenommen „Fremden“. Ich denke genau aus diesem Grund funktioniert weder das Video, noch die Botschaft; es belustigt eher ob der Dummheit und Plumpheit. Und die Reichweite wurde mit Geld gekauft, seit Tagen wird es auf youtube vor fast jedes Video gestellt.

    1. Matthias sagt:

      Anscheinend hast du folgende Passage überlesen: „Im Haus befinden sich auch eher Personengruppen, denen die FPÖ mit ihren Aktivitäten (noch) nicht auf die Zehen getreten ist. „Das Volk“ also. Zumindest fielen mir keinerlei „Ausreißer“ auf, euch?“ – Kein Problem, Du hast schon Recht. Die Reichweite ist erkauft. Aber das ist in dem Fall, aus Werbesicht, vollkommen egal! Die Menschen, die die Wahl entscheiden, sind die, die nicht grundsätzlich eine Partei mögen. Unschlüssige also! Das heist, es war nie das Ziel der Kampagne das Fans oder absolute Nicht-Fans zum Tippen gebracht werden. Sondern das User die sich nicht sicher sind, oder nicht Politik-affin sind, mit einer breiten, humorvollen und einfachen Werbebotschaft beschossen werden die dennoch so eindeutig FPÖ ist. Und das hat dieser Spot mehr als nur erfüllt. Deshalb erschrickt es mich!

  2. Nina sagt:

    Mich wurndert die Zahl der Views nicht. Man kann auf youtube nix aufrufen, ohne dass das Vidio als Werbung gezeigt wird. Einfach nervig!

    1. Matthias sagt:

      Sehr richtig! Am Frequency Capture (Wie oft in welchen Abständen wird mir das Video gezeigt) und an der exakten Zielgruppe hätten sie bestimmt noch schrauben können! Aber man kann ohne Statistik des Videos leider nicht viel mehr sagen. Reichweite hatten sie jedenfalls!

  3. Hello [:

    Also mich hat’s ja auch enorm frustriert, dass egal, welches Video ich mich in letzter Zeit auf YT gegeben habe, dass mir die Werbung der Hubers präsentiert wurde. Schneller hab ich nie den Skip-Button gedrückt, auch wenn ich zugegebenermaßen mir die ersten Spots noch freiwillig [interessehalber] gegeben hab.

    Damit zu Deinem Beitrag: Sehr interessant analysiert & geschrieben, wobei ich Dir natürlich sehr recht geben muss, wie sie ihre Reichweite [künstlich] erhöht haben. Naja, auch wenn ich selbst schon via Briefwahl abgestimmt habe: Bin ich froh, wenn die Wahlen wieder um sind, dann hat man wenigstens vor dem wieder seine Ruhe -_-;

    In diesem Sinne:
    Stay awesome ♡

    1. Matthias sagt:

      Danke für das liebe Kompliment zu stay awsome! =)
      Bzgl. der Bzeahlten Reichweite! Das ändert doch für Unternehemn und Partein nichts. Wir Blogger denken natürlich, dass organische Reichweite viel wertvoller ist. Aber das stimmt gar nicht so – der Partei ging es ja nie um orgnaisches Wachstum sondern darum eine Botschaft zu verbreiten und da ist es doch egal ob es bezahlt oder nicht ist?! Außerdem habe ich gehört, dass die Partei das größtenteils alles selbst macht und keien Agentur mit ihnen zusammenarbeiten will. Dafür haben sie es echt gut gemacht. Leider!

      Danke für deinen Kommentar =)

      1. Ja, da muss ich Dir leider Recht geben – organische Reichweite hin oder her, die FPÖ hat es mal wieder geschafft, Gesprächsthema Nummer 1 zu sein.

        Humorvoll, joah, leider. Ich bekam vorhin das Video bei YT ausgespielt, bei dem sich ein netter Herr den Kurz auf den Rücken verewigen lassen möchte & ich muss gestehen: Es hat mich zum Schmunzeln gebracht – VERDAMMT, sag ich da nur xD

        Wahnsinn, also wenn die das selbst auf die Beine gestellt haben – org. Hab ich bis dato nicht gewusst (:

        & sehr gern. Du hast einen sehr angenehmen, lockeren Schreibstil, den man gern liest :3

        1. Matthias sagt:

          Danke für den tollen Kommentar! Vor allem zu meinem Schreibstil!
          Und nachdem wir ja alle wählen gehen, wirds ja vielleicht doch besser 😉

  4. Mona sagt:

    Man mag zum politischen Thema stehen wie man will, aber die politische Aussage im Spot ist griffig und für jedermann verständlich erklärt. Ich selbst bin bei YouTube noch nicht drüber gestolpert, danke für den Hinweis. Liebe Grüße!

  5. Natalie sagt:

    Ich schließe mich Nina an, mir geht die Werbung dazu auch ganz schön auf die Nerven.

  6. Ich mag generell solche Spots gar nicht 😀 Und zum Glück schaue ich super selten bei YT rein, sodass mir dieses Video auch nie angezeigt wurde. Oder es liegt daran, dass ich aus D schaue?

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

  7. Juli sagt:

    Ich bin aus Deutschland und nicht aus Österreich, kann mir aber in etwa das Thema vorstellen, wir hatten bei der jetzigen Bundestagswahl leider auch einen hohen Prozentsatz für eine Partei, die mit den Ängsten der Menschen spielt und ja es nervt! Hoffentlich seid ihr bei der nächsten Wahl vernünftiger als wir…
    Viel Erfolg!
    Juli

  8. Reloves.de sagt:

    Mal ein Kommentar aus Deutschland : Steckt den Kopf nicht in den Sand. Wenn ihr einer Partei wie der FPÖ keine Chance geben wollt, dann geht bitte wählen! Ich kenne den Spot nicht und finde ihn aus den Beschreibungen eher befremdlich.
    Beste Grüße
    Regina

  9. Avaganza sagt:

    Hallo Matthias,

    also Marketingtechnisch ist der Spot ein Hammer! Trifft genau ins Schwarze und spricht den typischen FPÖ Wähler an … allerdings ist es für die gebildete nicht FPÖ Wählerschicht erschreckend peinlich wie einfach man doch mit den Ängsten spielen kann! Umso wichtiger – Bitte zur Wahl gehen!!!!

    Liebe Grüße
    Verena

  10. Maike sagt:

    Hi Matthias,
    es ist doch erstaunlich, was für plumpe Vergleiche manche Politiker machen und irgendwie auch noch ernst zu meinen scheinen (Stichwort Trump und Skittles). Gleichzeitig sind diese Vergleiche ja gar nicht dumm, denn so mit solch einfachen Vergleichen erreicht man die Massen natürlich viel mehr als mit einer hochpolitischen Diskussion.

    Trotzdem…es ist schon eine ziemlich verrückte Welt geworden, oder?

    Viele Grüße
    Maike

    1. Matthias sagt:

      Schöner Kommentar! =)
      Trotzdem…es ist schon eine ziemlich verrückte Welt geworden, oder? –> Weist du, vielleicht reicht ein menschliches Leben nicht aus um das wirklich beantworten zu können.

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