Der Mann und seine Abendgarderobe – eine planlose Angelegenheit?

Von Matthias am 20. Februar 2015

Von Freundinnen höre ich immer wieder, wie einfach wir Männer es mit unserer Abendkleidung doch haben. „Einfach einen Anzug an, weißes Hemd und passende Schuhe – fertig! Aber ich? Kleid, Hosenanzug oder doch einen Rock? Das kurze schwarze mit der goldenen Handtasche? Aber dann passen meine neuen hohen Schuhe wieder nicht…!“ Jaja, stimmt schon, Frauen haben die Qual der Wahl! Genau diese Fülle an Möglichkeiten gibt ihnen aber weniger Raum für Fauxpas und damit erscheint die Grauzone für „das könnte noch Mode sein“ unendlich lang. Aber wie sieht es eigentlich im streng genormten Bereich der männlichen Abendgarderobe aus? Diese Frage habe ich mir anlässlich der Einladung zum Tuntenball in Graz gestellt. Ein wirklich verrücktes Lifestyle Event das ihr gerne auf meinem Instagramprofil verfolgen könnt.

Welch ein Fauxpas in deiner Abendgarderobe

Unter Abendgarderobe versteht man Kleidung, die sich durch Form, Stoff und Schnitt von herkömmlicher Kleidung unterscheidet, außerdem unterliegt sie bestimmten Kleiderordnungen und Konfektionen.

Sie ist eher eine Bestätigung für die fragwürdigen Garderobenkenntnisse vieler Herren.

Wenn Mann Abendgarderobe hört, denkt er in aller Regel an einen schwarzen oder dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd und eine Krawatte. Schlicht, einfach und elegant eben. Zugegeben, auch ich als kleines Landei dachte, dies wäre DIE Form der Abendkleidung für den Herren! Oh, wie falsch ich doch lag. In Wahrheit stellt der klassische Anzug nur die Grundlage der feineren Garderobe dar. Und schon tritt Mann in eine Reihe von Fettnäpfchen. Das Erste: Wer von euch stellt sich eine Krawatte zur Abendgarderobe vor? Wenn ja, dann vergesst diesen Gedanken gleich wieder und merkt euch, Krawatte ist der erste und sichtbarste Fauxpas. Ja ich weiß, auf beinahe jedem Maturaball sind sie in Massen vertreten, aber das sollte kein Beweis für die Krawatte als Abendgarderobe sein. Sie ist eher eine Bestätigung für die fragwürdigen Garderobenkenntnisse vieler Herren. Eine Krawatte gehört zum Business Outfit und hat auf einem Ball nichts verloren. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass früher der Anzug im Beruf Pflicht war. Kein Bankangestellter oder Beamte konnte ohne Anzug sein Haus verlassen und in vielen Schulen in England und Australien besteht heute noch Anzug – bzw. Uniformpflicht. Das hat sich grundlegend geändert und damit gilt heute ein Anzug viel eher als Abendkleidung als vor ein paar Jahrzehnten. Gerade in der Mittelschicht trifft man den Anzug als tägliche Arbeitskleidung immer seltener an. Hier möchte ich aber noch dringendst anmerken, dass das Outfit auch immer den Umständen angepasst werden sollte. Auf einem schönen Maturaball falle ich in Anzug und Krawatte lieber weniger auf als mit einem Frack mit weißen Handschuhen, auch wenn dies eher der Etikette entspricht.

© by Matthias – Der Smoking mit Fliege und Kummerbund

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Wer aber auf einen pompösen Ball in die Wiener Hofburg geht, der sollte schon tiefer in den Wandschrank greifen und zumindest einen Smoking wählen. Er stellt die Ausgehvariante des Anzugs dar und wird gleichzeitig auch als die einfachere Form des Frack bezeichnet. Beide also, Smoking und Frack sind der wahren Abendgarderobe würdig, wobei es auch Bälle gibt auf denen Frackzwang herrscht. Ein Smoking wird ausschließlich mit Fliege getragen und hebt diese damit ebenfalls in den Rang der Abendkleidung, einzig ein Stecktuch kann sowohl zu Anzug als auch Smoking getragen werden. Dies sollte aber in jedem Fall mit dem Rest des Outfits abgestimmt sein. Auch die Art wie ein Stecktuch angebracht wird sagt etwas über den Anlass aus, also auch hier aufpassen! Ein Smoking verlangt übrigens auch ein spezielles Hemd. Dabei kann der Kragen speziell für eine Fliege gemacht sein, Kläppchenkragen genannt, oder der eines üblichen Hemdes für Krawatten sein. In jedem Fall aber ist die Knopfleiste zu verdecken und Manschettenknöpfe sind anzulegen. Diese beiden Merkmale sind neben der Form des Smokings besonders zu beachten. Um die Manschettenknöpfe besser hervorzuheben werden die Ärmel von Smokings relativ kurz geschnitten, als nicht wundern und darauf achten das genau dadurch die Ärmelenden der Hemden mit den passenden Manschetten hervorblitzen. Modebewusste Männern können Manschettenknöpfe als Accessoire auch am Anzug tragen, aber nicht für jeden Anlass.

Der Kummerbund hat mit Kummer gar nichts zu tun.

Also letzte Besonderheit des Smokings führe ich hier noch den Kummerbund an. Viele junge Männer haben allenfalls aus Hollywood einmal davon gehört aber noch nie einen getragen. Der Kummerbund hat seine Wurzeln in Indien und wurde dort getragen weil eine Weste schlicht zu warm war. Mit dem Wörtchen Kummer hat der Kummerbund also gar nichts zu tun. Designtechnisch ist er aber sehr wichtig, da man ihn mit dem Mascherl kombiniert und diese Kombination den wichtigsten Teil des Stylings ergibt. Schwarz in schwarz ist eine sehr einfache und sichere Variante, aber auch rot, silber und dunkelblau sind möglich. Ich für meinen Teil habe mich für eine rot schwarze Kombination aus Fliege und Kummerbund entschieden.

Der Tuntenball und seine ganz eigene Welt

Aber nicht für jeden Ball wird zu einer edlen Abendkleidung geraten. Ich bin am Samstag, den 21. Februar, am Tuntenball in Graz und verfolge das kunterbunte Abendgeschehen. Das diesjährige Thema lautet CIRCUS und dreht sich bewusst um die Ambivalenz zwischen Bewunderung und Verachtung, so wie es auf den traditionelle Jahrmärkten des 19. Jahrhunderts üblich war. Damals waren es vor allem körperlich missgebildete Menschen die zur Schau gestellt wurden, wohingegen heute viele wegen ihrem Lebensstil an den Pranger gestellt werden. Genau dort soll der Tuntenball ansetzten und durch die bunte Welt von Spaß und Tanz ein Zeichen setzten, durch das Vorurteile abgebaut werden. Ich freue mich sehr auf die Ballnacht und auch darauf, mal keinen Smoking sondern Neon orange Hosenträger zu tragen. Hosenträger, wenn auch nicht in Neonfarben, gehen übrigens auch mit fast jeder Abendkleidung konform.